Kurzbeschreibung:
Das Projekt "Entwicklung informationstechnischer Werkzeuge für Museen" existiert seit 1981 und ist damit älter als das ZIB. Zu seinen Aufgaben gehören einerseits die EDV-technische Unterstützung von Inventarisations- und Dokumentationsvorhaben in Museen sowie andererseits die Vermittlung und Verbreitung international anerkannter Standards in die deutsche Museumswelt. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern verschiedener geisteswissenschaftlicher Fachrichtungen werden Projekte durchgeführt, die den Museen die Nutzung moderner Informationstechnik erschließen.
Bearbeitet von:
Carlos Saro, Barbara Fichtl, Beate Jahn
Projektbeschreibung:
Die Arbeitgruppe Museumsdokumentation unterstützt im Rahmen von mehr als 10 Kooperationsverträgen unterschiedliche Museen bzw. museumsbetreuende Einrichtungen beim Einsatz moderner informationstechnischer Methoden bei der Sammlungsdokumentation.
Software
Basissoftware für alle Projekte ist das ursprünglich von der britischen Museum Documentation Association (MDA, inzwischen umbenannt in Collection Trust1) speziell für den Einsatz zur Inventarisation und Dokumentation in Museen entwickelte Datenbanksystem GOS. Es wird seit 1981 vom ZIB weiterentwickelt und interessierten Museen zur Verfügung gestellt. GOS ermöglicht die Verarbeitung komplexer, hierarchisch gegliederter Informationsstrukturen und erlaubt dadurch die Beschreibung auch komplizierter Objektzusammenhänge ohne Informationsverlust. Im Gegensatz zu Bibliotheken sind die Objekte in Museen komplexer und heterogener und erfordern zu ihrer wissenschaftlichen Beschreibung entsprechende Datenstrukturen um so unterschiedliche Dinge wie eine Ritterrüstung, ein Filmplakat, eine Blechdose oder eine Spielzeuglokomotive in einer einheitlichen Datenbank beschreiben und verwalten zu können.
Datennutzung
Ein Schwerpunkt bei der Entwicklung ist die möglichst vielseitige Verwendung einmal erfasster Daten. So werden die bei der Inventarisation der Objekte gewonnenen Daten für verschiedenste wissenschaftliche und verwaltungstechnische Vorgänge genutzt (Ausstellungsvorbereitung, Leihverkehr, Restaurierungsprotokolle, ...). Ebenso können die Daten auf unterschiedlichen Medien (Papier, CD bzw. DVD, Internet, Multimediaanwendungen in Ausstellungen) zur Verfügung gestellt werden, selbstverständlich hat dabei die Publikation von Sammlungsbeständen im Internet besondere Bedeutung: Mit der bereits seit 1996 im Internet zugänglichen Objektdatenbank des Deutschen Historischen Museums2 zeichnet das ZIB für die technische Betreuung dieses nach wie vor umfangsreichsten Angebots seiner Art in Deutschland verantwortlich.
Das Museumsprojekt unterstützt die Kooperationspartner auch bei weiteren Vorhaben, wie z.B. aktuell das Stadtgeschichtliche Museum bei einem DFG-geförderten Projekt zur Erfassung von Autographen.
Da Vorhaben im Bereich der Museumsdokumentation im Allgemeinen auf größere Zeiträume ausgerichtet sind, erwarten die beteiligten Institutionen eine kontinuierliche Zusammenarbeit. So besteht zwischen dem ZIB und dem Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin -- Stiftung Preußischer Kulturbesitz3 bereits seit 1981 ein mehrfach verlängerter Kooperationsvertrag. Weitere wichtige Kooperationsverträge gibt es mit dem Deutschen Historischen Museum4 (seit 1991), dem Bayerischen Nationalmuseum in München5 (seit 1995), dem Museum im Wasserwerk Friedrichshagen6 (seit 1998) und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig7 (seit 2001) sowie mit einigen anderen Museen. Das Projekt finanziert sich damit weitestgehend aus Drittmitteln.
Standards
Der Nachhaltigkeit dient auch der zweite Schwerpunkt der Arbeit des Museumsprojekts: die Vermittlung und Verbreitung international anerkannter Standards in die deutsche Museumswelt.
Durch enge Kontakte zu entscheidenden Gremien, wie der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund8 und der CIDOC (Comité international pour la documentation des International Council of Museums9), hat sich das ZIB im Bereich der Museumsdokumentation als feste Größe etabliert. Die von der genannten Fachgruppe Dokumentation gemeinsam mit dem Institut für Museumsforschung jährlich durchgeführte Herbsttagung zur Museumsdokumentation findet seit mehr als 15 Jahren traditionell am ZIB statt.
An der im Rahmen der Fachgruppe Dokumentation gegründete Arbeitsgruppe „Datenaustausch“ nehmen Mitarbeiter des Museumsprojekts aktiv teil. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Grundlagen der Strukturierung der zur Inventarisation von Museumsobjekten benötigten Daten und untersucht (Metadaten--) Formate auf ihre Anwendbarkeit für die Bedürfnisse der unterschiedlichen Sammlungen. Grundlage dafür ist das von der CIDOC entwickelte objektorientierte "Conceptual Reference Model"10 (CRM), welches sich als "domain ontology" (im informationstechnischen Sinn) versteht und 2006 als ISO-Standard ISO 21127:2006 publiziert wurde. Das 2007 von der Arbeitsgruppe publizierte Datenpublikationsformat "MuseumDat"11 wird inzwischen von mehreren Museumsportalen als Standardformat genutzt. Auch Daten des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig und des Deutschen Historischen Museums werden in diesem Format vom ZIB an die Portale BAM12 sowie an die Europäische Digitale Bibliothek europeana13 geliefert.
Vokabularkontrolle
Das ZIB war maßgeblich an der Gründung der Initiative "museumsvokabular.de"14 beteiligt, welche im Mai 2006 mit einer Online-Plattform ans Netz ging und auf ein breites Interesse über die Fachgruppe Dokumentation hinaus stößt. Ziel der Initiative ist die Bereitstellung, Weiterentwicklung und Angleichung von in der Museumsdokumentation verwendeten kontrollierten Vokabularen in einem gemeinsamen Portal.
Zur Vereinfachung des Software-unabhängigen Einsatzes von Thesauri, Systematiken u.ä. wurde vom ZIB insbesondere die Entwicklung eines auf offenen und verbreiteten Standards basierenden WEB-Services vorgeschlagen (SKOS - Simple Knowledge Organisation System zur Datenstrukturierung, SOAP als Kommunikationsprotokoll, XML als allgemeines Datenaustauschformat). Der Service ermöglicht den plattformunabhängigen Zugriff auf Vokabulare, die von unterschiedlichen Einrichtungen und mit verschiedenen DBMS bereitgestellt werden. Nachdem vom ZIB bereits Anfang 2006 ein Prototyp auf einem Workshop vorgestellt und eine Schnittstellendefinition vorgeschlagen wurde, fand im Sommer 2007 die Abstimmung mit anderen Software-Herstellern statt. Inzwischen können fast alle namhaften Hersteller von Museums--Software den WEB--Service nutzen.
1 www.collectionstrust.org.uk
2 www.dhm.de/datenbank
3 www.smb.spk-berlin.de/ifm
4 www.dhm.de
5 www.bayerisches-nationalmuseum.de
6 www.museum-im-wasserwerk.de
7 www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de
8 www.museumsbund.de
9 cidoc.mediahost.org
10 www.cidoc-crm.org
11 www.museumdat.org
12 www.bam-portal.de
13 www.europeana.org
14 www.museumsvokabular.de