30.10.2015

Das ZIB ist Kooperationspartner der  Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R und der darin integrierten Graduiertenschule. Diese Plattform steht für die Förderung und Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche nach dem 3R-Prinzip: refinement, reduction, replacement.

Im Roten Rathaus in Berlin wurde BB3R am 20.10.2015 für die Konzeption einer Ringvorlesung zum Thema "Alternativen zu Tierversuchen in der Forschung, Ausbildung und Lehre" geehrt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.  Auf der Verleihungsveranstaltung wurde die Wichtigkeit der Erforschung von Tierersatzmethoden unterstrichen. Gerade in der Entwicklung neuer Medikamente verhält sich das Tier oft anders als der Mensch und dient daher nur bedingt als "Modell" [1].  Viele moderne Forschungsvorhaben der Pharmaindustrie mussten aufgrund dieser Unvergleichbarkeit erfolglos abgebrochen werden.  

Innerhalb der BB3R-Plattform arbeitet das ZIB an molekularen Simulationsmethoden, die es erlauben sollen, die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von anthropogenen Spurenstoffen am Rechner anstatt am Tier einzuschätzen.  Bereits im Jahre 2013 veröffentlichten wir einen Artikel, der ein Modell zur Vorhersage der endokrinen Wirkung  von technisch erzeugten Abbauprodukten beschreibt [2].

Zur Vermeidung von Tierversuchen ist es wichtig, einerseits die Wirkung von Spurenstoffen auf den Organismus, andererseits aber auch die Abbauprodukte dieser Spurenstoffe vorherzusagen. Die Abbauprodukte werden üblicherweise mit Hilfe von Experimenten an Ratten "hergestellt". Die  dabei entstehenden Stoffe unterscheiden sich jedoch im Allgemeinen von humanen Abbauprodukten. Ein entsprechendes computerbasiertes Modell (siehe Abb.), das die Spezifika humaner Abbaumechanismen beachtet, wurde von uns 2014 veröffentlicht [3].

Quellen:

[1] http://www.invitrojobs.com/index.php/de/neuigkeiten/news-archiv/item/1854-tierschutzforschungspreisverleihung-berlin-2015

[2] V. Durmaz, S. Schmidt, P. Sabri, C. Piechotta, M. Weber: A hands-off linear interaction energy approach to binding mode and affinity estimation of estrogens. J. Chem. Inf. Model, 53(10):2681–2688, 2013

[3] O. Scharkoi, S. Esslinger, R. Becker, M. Weber, I. Nehls: Predicting sites of cytochrome P450-mediated hydroxylation applied to CYP3A4 and hexabromocyclododecane. Molecular Simulation, online publication, DOI 10.1080/08927022.2014.898845, 2014