17.11.2020

Berlin gilt weltweit als erstklassige Adresse für anwendungsorientierte Mathematik und die Mathematiker*innen in Berlin arbeiten schon seit vielen Jahren über alle Institutionen hinweg zusammen. Diese Zusammenarbeit mündete 2019 in der Gründung des gemeinsamen Exzellenzcluster MATH+, an dem die drei großen Berliner Universitäten (FU, HU, TU Berlin) und die beiden mathematischen Berliner Forschungsinstitute (WIAS, ZIB) beteiligt sind. In über 100 Forschungsgruppen mit mehr als 500 Wissenschaftlern wird ein Forschungsspektrum abgedeckt, das von der reinen mathematischen Abstraktion bis zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen reicht. Am 6. November 2020 wurde anlässlich des MATH+ Day mit Christof Schütte von der Freien Universität Berlin ein neuer Cluster-Sprecher gewählt. Die Sprecherschaft rotiert unter den drei Universitäten.

Ob es um individualisierte Medizin in der Schmerzmitteltherapie, punktgenaue Planung des öffentlichen Verkehrs, die Langlebigkeit von Batterien, den Klimawandel, die Distribution von Schafen im Altertum oder altägyptische Textlinguistik geht; bei all diesen Forschungsprojekten wird mathematische Zusammenarbeit benötigt. Mathematik hilft aber auch – ganz aktuell – die Verbreitung politischer Einstellungen oder die Dynamik bei der Ausbreitung von Krankheiten zu modellieren und besser zu begreifen, denn: Hinter allem steckt Mathematik!

Um die Forschungsresultate der abgeschlossenen interdisziplinären und transinstitutionellen Forschungsprojekte zu präsentieren und im Plenum zu diskutieren, wird am Ende des Jahres der MATH+ Day veranstaltet. Der MATH+ Day ist damit nicht nur einer der Höhepunkte im MATH+ Jahr, sondern bietet auch Gelegenheiten zum wissenschaftlichen Austausch; ergeben sich hier doch zahlreiche Gelegenheiten, über die Präsentationen der Forschungsprojekte Verbindungen zur eigenen Expertise zu knüpfen oder interdisziplinär Ideen weiter zu spinnen, was die große Faszination dieses riesigen Forschungsclusters ausmacht. 

Am 6. November trafen sich mehr als 140 Teilnehmer*innen online zum zweiten MATH+ Day. Nach monatelangen digitalen Veranstaltungen in Corona-Zeiten hatte man sich notgedrungen an das Format gewöhnt; nur die traditionelle Forschungsposter-Runde am Ende stellte eine kleine Herausforderung dar mit Überlegungen, wie man eine lebhafte Diskussion gestalten kann, während man NICHT vor einem Poster steht. Doch auch in separaten virtuellen Räumen genossen die Wissenschaftler den Austausch von Ideen, Anregungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit und Kommentaren zu ihrer Forschung. 

Der MATH+ Day begann mit der Sitzung der Mitgliederversammlung und dem Jahresbericht des noch amtierenden MATH+ Sprechers, Martin Skutella von der Technischen Universität Berlin. Seinen Abschied als Sprecher kommentierte er mit einem lachenden und weinenen Auge: „Es war eine aufregende und spannende Zeit, die gezeigt hat, wie gut wir über alle Disziplinen hinweg an gemeinsamen Zielen zur Lösung von elementaren Gesellschaftsproblemen arbeiten können.“ Im Anschluss daran erfolgte die Wahl eines neuen Vorstands- und vor allem eines neuen Cluster-Sprechers, die Christof Schütte von der Freien Universität Berlin annahm. Er wird für die nächsten zwei Jahre den Vorsitz des Exzellenzclusters MATH+ übernehmen, dessen Aufgabe er darin sieht „noch mehr Potentiale für Kooperationen zu entdecken und auszunutzen.“ Da die Sprecherschaft alle zwei Jahre unter den Universitäten rotiert, wird danach die Humboldt-Universiät mit Michael Hintermüller den Cluster anführen. 

Im Anschluss an die Wahlen präsentierten sich die Forschungsgruppen mit ihren Forschungsergebnissen der letzten beiden Jahre in den Application Areas, den Emerging Fields und der Transfer Unit – ein Think Tank mit Verbindung zur Industrie. Durch interdisziplinäre und transinstitutionelle Kooperationen ergibt sich eine enorme Themenvielfalt. Mathematiker*innen arbeiten dabei mit Kolleg*innen aus den Lebens-, und Materialwissenschaften sowie aus Fachgebieten, die sich mit Netzwerken, Kommunikation, Energie, Verkehr- und Transportwesen beschäftigen, zusammen. Doch auch Kooperationen mit den Geistes- und Sozialwissenschaften entwickeln sich zunehmend. 

Neben den Wahlen und Forschungspräsentationen stellten die Berichte zur Graduate School „Berlin Mathematical School“ (BMS), zu den Thematischen Einstein Semestern (TES) und zum soziologischen Forschungsprojekt über MATH+ selbst einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Aktivitäten bei MATH+ dar.

Der MATH+ Day endete in diesem Jahr mit lebhaften Diskussionen in den virtuellen Postersitzungen der Application Areas, der Emerging Fields und der Transfer Unit und es bleibt nur zu hoffen, dass der MATH+ Day 2021 wieder mit persönlichen Gesprächen stattfinden und mit einem abendlichen Ausklang in Gesellschaft beschlossen wird…

www.mathplus.de / Programm MATH+ Day 2020

Fotomaterial: Fotocollage: Alter und neuer Chair – online meeting 

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Nadja Wisniewski
Managing Director MATH+
Tel.: 030 314 786 51
E-Mail: nadja.wisniewskitu-berlin.de